Fremdsprache (Grundschule)
In der heutigen Welt ist die Erfahrung einer
multikulturellen und mehrsprachigen Wirklichkeit alltäglicher als in der
Vergangenheit. Die Begegnung mit dem jeweils Anderen in der eigenen Heimat, die
Fremderfahrung im eigenen Lebensumfeld wird immer mehr zur Normalität. Somit
wird die Bereitschaft und Fähigkeit zur Kontaktaufnahme mit fremdsprachigen
Menschen immer notwendiger.
Auf diese veränderte Wirklichkeit sollen die
Kinder bereits in der Grundschule vorbereitet werden. In den Jahrgangsstufen 3
und 4 sollen sie neben der deutschen Sprache einer weiteren Sprache (Englisch,
Französisch oder Italienisch, Wahlfach Tschechisch) und deren Kultur begegnen.
Da Sprache und Denken eng zusammenhängen und mit
jeder Sprache eigene Sichtweisen verbunden sind, gewinnen die Schüler beim
Erlernen einer Fremdsprache zugleich eine erweiterte Weltsicht.
Die Beschäftigung mit einer Fremdsprache - gerade
auch zu einem frühen Zeitpunkt - hat in der Regel eine persönlichkeitsfördernde
und -prägende Wirkung; auch im nichtsprachlichen Verhalten können sich
Auswirkungen zeigen wie größere Wendigkeit und raschere Auffassungsgabe,
vielseitigere Lernbereitschaft und steigendes Selbstvertrauen. Zudem scheint der
Zeitpunkt für die Begegnung mit einer weiteren Sprache in einem Alter günstig,
in dem die Kinder beginnen, mit der Muttersprache bzw. der deutschen Sprache
bewusster umzugehen.
Der Unterricht soll die Neugierde, das Interesse
und die Freude der Kinder an der Begegnung mit der fremden Sprache und Kultur
wecken und erhalten. Um ihnen den Zugang zu erleichtern, stehen Tatsachen und
Ereignisse aus dem Lebensumfeld von Kindern im Mittelpunkt (Kinderkultur).
Anhand altersgemäßer authentischer Materialien und Medien erkennen die Schüler
sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Fremdes wird ihnen
allmählich vertrauter und sie lernen, es als selbstverständlichen Bestandteil
ihrer eigenen Welt anzunehmen. Auf diesem Weg sollen sich eine offene,
realitätsbezogene Einstellung gegenüber Personen mit fremder Sprache und Kultur
und damit Verständnisbereitschaft und Toleranz entfalten.
Mit der Fremdsprache lernen die Schüler ein neues
sprachliches Ausdrucksmittel kennen und werden so veranlasst, mit Sprache
allgemein bewusster und sensibler umzugehen. Sie können damit auch die
Erscheinungsformen der eigenen Muttersprache deutlicher wahrnehmen und sie
differenzierter benützen. Insofern vermittelt der unbefangene Einstieg in eine
Fremdsprache grundlegende Erfahrungen sowie Lerntechniken, die jedes spätere
systematische Erlernen von Fremdsprachen erleichtern.
Die in dieser Altersstufe besonders ausgeprägte
Bereitschaft zum Hinhören, Imitieren und Reagieren sowie das große
Mitteilungsbedürfnis sind günstige Voraussetzungen für die unbefangene
Beschäftigung mit einer fremden
Sprache. Die Schüler sollen sich in die fremde
Sprache einhören und auf die Eigenart von Aussprache und Intonation achten. Sie
sollen lernen, in Alltagssituationen den Inhalt einfacher fremdsprachlicher
Mitteilungen zu
erfassen, ihr Verstehen zum Ausdruck zu bringen
und in einer geeigneten Weise zu antworten. Lesen und Schreiben haben nur
unterstützende Funktion.
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